WdG Welt der Götter

Was sind Briefspiele?



Die Geschichte der Briefspiele und Postspiele


Was ist ein Briefspiel?

Bereits vor langer, sogar sehr langer, Zeit wurde das Problem, daß jemand für ein Spiel Schach oder, später, auch Go keinen Spielpartner fand, dort, wo er wohnte, dadurch gelöst, daß er mit einem Spielpartner, der weit entfernt wohnte, die Spielzüge per Brief, und später, per Telefon austauschte.

Die ersten solcher Schachpartien sollen ab dem 8.Jahrhundert  stattgefunden haben, gesicherte Informationen über Partien gibt es jedenfalls aus dem 18.Jahrhundert.

In Deutschland sind solche Partien als "Fernschach" bekannt.

Fernschach wird noch heute auf nationaler und internationaler Ebene gespielt.

In den 1960ern kam dann in den USA "Diplomacy" (deutsch: Diplomatie) als Spiel per Brief hinzu und in den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich eine Spielszene, die weitere Brettspiele per Brief spielte.


Briefspiele ...

... im englischsprachigen Raum

Durch amerikanische und englische Soldaten in Deutschland kam auch die deutsche Spieleszene mit Briefspielen in Berührung.
Neben den üblichen Gesellschaftsspielen handelte es meist um sogenannte "Wargames" (deutsch: Kriegsspiele), bei denen komplexe Schlachten und ganze Kriege der Geschichte nachgespielt wurden und bei denen selbst die Brettspielversionen (auch als "Table Top"-Spiele, die mit Zinnfiguren und Miniaturlandschaften gespielt wurden) viele Stunden und Tage dauern konnten - und an denen auch zehn und mehr Mitspieler gleichzeitig teilnehmen konnten.

Ende der 1960er gab es dann in den USA die ersten Spiele, die speziell für das Spielen per Brief und mit kommerziellem Gedanken geschaffen wurden. Hier mußten die Mitspieler an den Spielleiter für die Teilnahme einen bestimmten Teilnahmebetrag entrichten.
Sie sandten ihre Spielzüge an einen Spielleiter, der wertete die Spielzüge aller Mitspieler aus und schickte dann die Ergebnisse an die Teilnehmer zurück, worauf hin die dann wieder den nächsten Spielzug planen und absenden konnten.

Alle diese Spiele waren "handausgewertet", der Spielleiter schrieb die Ergebnisse der Spielzüge der Mitspieler per Hand (oder Schreibmaschine) auf, und dies war sehr zeitaufwendig für den Spielleiter.

Einige wenige Anbieter konnten so viele Mitspieler gewinnen, daß sich daraus Briefspiel-firmen entwickelten, die jahre-, teils jahrzehntelang betrieben wurden.

Einer der Briefspiel-Anbieter (Rick Loomis, der bis zu seinem Tod im Jahre 2019 noch Briefspiele anbot) miete sich 1970 für ein Spiel einen Computer und mußte dafür dafür hunderte Dollar pro Monat zahlen; er schrieb ein Computerprogramm für sein Spiel, druckte die Spielergebnisse automatisiert aus und leitete damit die nächste Entwicklungsstufe der Briefspiele ein - "computerausgewertete" Spiele per Brief.
Dies ermöglichte es einerseits, die Komplexität des Spieles zu steigern und anderseits, hunderte Mitspieler pro Spiel zu betreuen.

In den folgenden Jahren, und zunehmend in den 1980ern, schwenkten dann fast alle kommerziellen Anbieter von Briefspielen auf diesen Typ Briefspiele um - und die kurze Zeit später vergleichweise preisgünstig erhältlichen "Homecomputer" trugen zu dieser Entwicklung noch bei.

Handausgewertet verblieben danach nur noch einige Hobby-Briefspiele, meist Brief-Rollenspiele, und sehr wenige kommerziell betriebene Briefspiele.

Um diese Zeit herum bürgerte sich auch der Begriff "Play By Mail" (in deutsch: Spiele-per-Post, Spiele-per-Brief), oder kurz, pbm, für diese Spielgattung ein - eine Bezeichnung, zu der später auch die Variation "pbem" (Play-By-Email) hinzukam.


... im deutschsprachigen Raum

Das erste im deutschsprachigen Raum entwickelte Spiel per Brief war "Ragnarök" von F. Schröpf im Jahre 1972. Ragnarök war die Briefspiel-Version des  ebenfalls im deutschsprachigen Raum entwickelten Brettspieles "Armageddon". Ragnarök ist handausgewertet und wird kontinuierlich bis heute auf einer Spiel-Welt (Kalevala, seit 1973) auch noch gespielt.

Mit Elementen aus Ragnarök schuf dann B.Weß im Jahre 1978 eine eigene Version des Spieles, die er "Auge der Götter" nannte.
W.Röfke, der selbst Wargames per Brief spielte und sich mit den damals noch neuen-Rollenspielen (z.B. Dungeons & Dragons) beschäftigte, war zu dieser Zeit gerade dabei, ein Spiel zu entwickeln, das als Rollenspiel per Brief gespielt werden und "Welt der Drachen" heißen sollte.

Die beiden kamen miteinander in Kontakt und W.Röfke  erweiterte "Auge der Götter" zum Briefspiel "Welt der Götter (WdG)", das erstmals im April 1979 unter diesem Namen vorgestellt wurde und in verschiedenen Variationen, Fortentwicklungen und Schwerpunkten bis heute (Mitte 2021) gespielt wird.
Bekannte Abkömmlinge von WdG waren bzw. sind "Tir An Dhia" und "Welt der Waben".

WdG wurde zunächst ausschließlich handausgewertet gespielt, erst 1986 hat der Spiel-Autor auch ein Computerprogramm für wesentliche Teile der Spielzugauswertung geschrieben und eingesetzt, ab 1994 war das Mitspielen per E-Mail möglich.
Welt der Götter wurde vom Autor zuletzt im Jahre 2021 wesentlich überarbeitet ist nunmehr vollständig computermoderiert.

Außer Welt der Götter gab es seit den 1980ern im deutschsprachigen Raum noch mehrere andere Briefspiele, die oft kommerziell angeboten wurden.
Fast alle davon haben mittlerweile den Spielbetrieb beendet, doch einige wenige haben überlebt, wie z.B. Gladium Et Pilum, Austerlitz oder Legends (beide letztgenannte zwar deutschsprachig angeboten, doch ausländischen Ursprungs), als bedeutendster kommerzieller Anbieter von Briefspielen im deutschsprachigen Raum ist allein der SSV Graz (Österreich, seit 1991) verblieben.

... und als Postspiele

Postpiele oder "Spiele per Post" sind prinzipiell dasselbe wie Briefspiele (beides übersetzt sich aus dem englischen "Play By Mail"). Es gab und gibt sie in verschiedensten Ländern der Erde, und das bereits seit Jahrzehnten.

Die wesentlichsten Unterschiede zwischen den beiden Genres sind jedoch diese:

Bei Postspielen handelt es sich zumeist um einfache Spiele, manchmal Adaptionen aus Brett- oder Gesellschaftsspielen wie "Scrabble", oft Spiele, die Sportarten zum Thema haben.
Auch hier werden die Spielzüge an einen Spielleiter gesandt, doch, anders als bei den Briefspielen, werden die Ergebnisse der Spielzüge meist in sogenannten "Zines" allgemein und gesammelt veröffentlicht - was sich, z.B. bei Fußballspielen, als Tabelle des Spieltages ja auch anbietet. Und dies nicht nur für ein Spiel, sondern gleich für mehrere, die der Spielleiter anbietet.

Mitspieler abonnieren dieses "Zine" und können dann, kostengünstig, gleich an allen Spielen, die darin angeboten werden, mitspielen.

Postpiel-Zines werden durchweg nicht-kommerziell, also nur auf Hobby-Basis, angeboten. Das Mitspielen erfordert also entweder gar keinen Teilnahmebetrag oder den reinen Ersatz der Kosten, die der Spielleitung, z.B. für den Druck und Versand des Zines entstehen.

Das bedeutendste Postpiel-Zine im deutschsprachigen Raum ist das KSK, welches 1987 gegründet wurde und derzeit 40 verschiedene Postspiele anbietet.
KSK ist auch als einziger Anbieter bis heute auf der Spielemesse SPIEL mit einem eigenen Ausstellungsstand vertreten.

... in den Medien

In den 1980ern und 1990ern gab es verschiedene Magazine, die Briefspiele zum Thema hatten. Die größten und am längsten veröffentlichten erschienen in den USA und England.

Doch auch in Deutschland gab es mit dem "Megazine" ein Briefspiel-Magazin, dessen Autor im Jahre 1989 auch das Buch "Spiele per Post, Abenteuer aus dem Briefkasten" geschrieben hatte.

Heute sieht es dagegen eher düster aus. Weder in Deutschland, noch in England, und noch nicht einmal in den USA, gibt es noch eine eigenständige Publikation über Briefspiele - und auch nicht einmal im Internet, obwohl es insgesamt wohl noch einige tausend Briefspielbegeisterte gibt.

Vom letzten regelmäßig erscheinenden Magazin "Suspense and Decision" in den USA gibt es seit vielen Monaten keine neue Ausgabe mehr. Schon Jahre zuvor stellte das englische Magazin "Flagship", das die Briefspiel-Szene von 1983-2010 fast 30 Jahre lang begleitet hatte, die Veröffentlichungen ein.
Und in Deutschland ... nun ja, das Megazine war damals nur einige Monate lang erschienen und hatte niemals mehr einen Nachfolger.

Selbst Listen von Spielen und Anbietern, die man im Internet findet, sind durchweg veraltet und beziehen sich meist noch auf die Informationen der "alten" Magazine.

Stand des Artikels: Ende August 2021





Quellenangaben zum Artikel
(Internet-Links geprüft Ende August 2021)

Brettspiel Armageddon:
https://arma-ews.forumieren.com/

Magazin Flagship (in englisch): http://www.flagshipmagazine.co.uk/

Kalevala:
https://kalevalabriefspiel.blogger.de/

KSK:
http://www.kskpostspiele.de/ksk-home.html

SSV Graz:
http://www.ssvgraz.com/

Magazin Suspense and Decision (in englisch):
https://suspense-and-decision.com/

RickLoomispbm - Wikipedia-Artikel (englisch): https://en.wikipedia.org/wiki/Rick_Loomis

Welt der Götter - WdG:
https://mundus.deum.net/

Welt der Waben:
http://projektmyra.de/welt.html

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